Dietmar Seelos im Interview
Dietmar Seelos ist seit 40 Jahren Teil der Pfeifer Group. In dieser Zeit hat er sich vom Lehrling zum Geschäftsführer entwickelt, drei Generationen der Eigentümerfamilie erlebt und den Wandel zum modernen Industrieunternehmen mitgestaltet. Was für ihn der Schlüssel zum Erfolg ist, erzählt er im Interview.
Als Erstes denke ich an den Ort Stams. Damals hatte Pfeifer das Sägewerk vom Stift Stams gepachtet, und dort habe ich mit 14 Jahren meine Lehre begonnen. Zuvor hatte ich schon die Schule in Stams besucht – damit hat sich irgendwie ein Kreis geschlossen.
Mein Vater betrieb nebenberuflich ein kleines Sägewerk in Nassereith und war hauptberuflich Schlosser bei Pfeifer in Imst. Manchmal ergab sich die Gelegenheit, dass ich samstags zu einer Notreparatur mitkommen durfte. Das hat mich fasziniert: die großen Maschinen, die Technik und die Art, wie aus einem Baum ein Produkt entsteht. Der Bezug zu Holz wurde mir also praktisch in die Wiege gelegt.
Nein, das war ganz sicher nicht von Anfang an mein Ziel. Aber ich hatte viel Leidenschaft und Einsatzwillen und habe die Chancen und Möglichkeiten, die sich ergeben haben, bestmöglich genutzt. Das zeichnet Pfeifer aus meiner Sicht auch heute noch aus: Man kann hier Wege gehen, die man zu Beginn vielleicht noch gar nicht vor Augen hatte.
Ein wichtiger Schlüsselmoment war sicher 1996, als mir mit 25 Jahren die Betriebsleitung des Sägewerks in Imst übertragen wurde. Plötzlich musste ich Verantwortung übernehmen und auch „gestandenen“ Mitarbeitern Aufgaben übertragen. Gemeinsam mit ihnen eine neue Ära einzuleiten, hat mich für meine weitere Karriere stark geprägt.
Vor 40 Jahren begann Dietmar Seelos im Alter von 14 Jahren seine Lehre als Sägetechniker im Pfeifer-Sägewerk in Stams. Seit 2009 ist er Standortleiter und Prokurist in Imst.
Bei so vielen spannenden Projekten aller Größenordnungen fällt es mir schwer, eines herauszuheben. Was aber alle gemeinsam hatten: Für die Umsetzung braucht es ein gutes Team. Ich hatte das Glück, über die Jahre stets ein eingespieltes, konstantes Team um mich zu haben. Es ist schön zu sehen, was möglich wird, wenn Menschen gemeinsam an einem Ziel arbeiten.
Allein die Größe des Unternehmens und damit einhergehend die Führungsstruktur und -kultur haben sich massiv verändert. Früher wurde eher patriarchisch geführt, heute ist vieles klar strukturiert, mit eindeutig zugeteilten Aufgaben und Verantwortungsbereichen. Die Art und Weise, wie man in den 1970er-, 1980er- oder 1990er-Jahren gearbeitet hat, war für diese Zeit genau richtig. Aber die Welt hat sich weitergedreht, und damit mussten auch wir uns verändern. Gerade in den vergangenen 20 bis 25 Jahren hat sich Pfeifer zu einem hochmodernen Unternehmen entwickelt. Dafür hat es Mut gebraucht und Entscheidungen, die sicher nicht immer einfach waren.
Für mich sind es drei Dinge, die über all die Jahre gleich geblieben sind : das Bekenntnis zum Familienunternehmen, die Leidenschaft für Holz und – Gott sei Dank – der Name Pfeifer. Wenn man sich die Entwicklung unserer Branche in den vergangenen 40 Jahren ansieht, ist das alles andere als selbstverständlich.
Für mich steht diese auf vier Säulen:
Vertrauen, Wertschätzung, Fördern und Fordern sowie Kommunikation.
Vertrauen braucht es, um Verantwortung übertragen zu können. Man muss seinen Mitarbeiter:innen etwas zutrauen. Das ist die Basis für eine gute Zusammenarbeit. Auch Wertschätzung ist entscheidend. Jeder möchte, dass seine Leistung gesehen und anerkannt wird. Ein Lob und ein respektvoller Umgang miteinander dürfen deshalb nicht fehlen.
Beim Fördern und Fordern geht es darum, die Mitarbeiter:innen entsprechend ihren Stärken zu entwickeln. Als Führungskraft muss man erkennen, wo jemand gefördert oder unterstützt werden kann – und wer bereit ist, Chancen zu nutzen. Das führt langfristig zum Erfolg.
Die vierte Säule ist die Kommunikation. Gerade in Zeiten der Digitalisierung ist der persönliche Austausch wichtiger denn je. Der direkte Kontakt zu den Mitarbeiter:innen gibt schnell ein Gefühl dafür, wie die Stimmung ist. So kann man bei Problemen früh gegensteuern, Missverständnisse vermeiden und Vertrauen schaffen.
Grundsätzlich bin ich ein sehr ehrgeiziger Mensch. Ich versuche, Aufgaben und Herausforderungen bestmöglich zu lösen – für Pfeifer genauso wie für meine persönliche Weiterentwicklung. In diesen 40 Jahren waren viele spannende Projekte und Aufgaben dabei. Sie haben mich immer wieder darin bestätigt: Dietmar, du bist hier am richtigen Platz.
Natürlich gab es auch Tiefs und Rückschläge. In solchen Situationen braucht es manchmal einen Vorgesetzten oder Wegbegleiter, der einem hilft, den Blick wieder nach vorne zu richten. Auch solche Menschen hatte ich auf meinem Weg – und dafür bin ich dankbar.
Die Basis für eine gute Karriere sind für mich Einsatz und Leistung – und zwar vom ersten Tag an. Dazu gehören Neugier, Lernbereitschaft und der Mut, Herausforderungen anzunehmen. Wichtig ist aber genauso ein respektvoller Umgang miteinander. Man muss sich in ein Team einfügen, gemeinsame Lösungen suchen und bereit sein, auch einmal die eigenen Interessen hintenanzustellen. Und einen Rat würde ich wirklich allen geben: Habt Geduld. Eine Karriere entsteht nicht innerhalb einer Woche. Sie setzt sich aus vielen einzelnen Bausteinen zusammen, und ein bisschen Glück gehört sicher auch dazu. Aber wer Einsatz und Leistung zeigt, wird seinen Weg machen.
Dass es weiterhin ein Familienunternehmen bleibt und dass die vierte Generation gut an den Start gebracht wird. Ich wünsche mir auch, dass Pfeifer den Weg des gesunden Wachstums, den das Unternehmen in den vergangenen 80 Jahren gegangen ist, weiterverfolgt. Gleichzeitig sollte man sich stets auf die Basics besinnen: Entscheidungen treffen, umsetzen und den Rohstoff Holz wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Pfeifer braucht auch in Zukunft Macher und Umsetzer!