Clemens Pfeifer im Interview

"Wir stecken das verdiente Geld wieder ins Unternehmen"

Clemens Pfeifer, CTO der Pfeifer Group, über KI und Automatisierung in der Holzindustrie, die Kraft konsequenter Reinvestition und die Frage, warum Kiefern und Fichten krisenfester sind als manch andere Ressource.

Herr Pfeifer, wie sehr werden KI-Anwendungen, Automatisierung und Robotik die Holzindustrie transformieren? 

Clemens Pfeifer: „Eines muss man voranstellen: Der Antrieb, der hinter KI steckt – Effizienzsteigerung durch technologische Innovation –, ist für ein Unternehmen wie unseres seit jeher ein Grundprinzip. Wir sind deshalb KI-Anwendungen gegenüber sehr aufgeschlossen. Es geht uns nicht darum, einem Trend zu folgen, sondern um den konkreten Mehrwert, den wir daraus ziehen können." 

Lässt sich der Nutzen einer technischen Neuerung denn immer so unmittelbar abschätzen?

Clemens Pfeifer: „Als technischer Verantwortlicher ist es mein Auftrag, nüchtern und konkret zu denken. Die entscheidende Frage lautet stets: Was kostet es, und was bringt es? Wenn wir diese Frage beantworten können, treffen wir sehr rasch eine Entscheidung – in die eine oder andere Richtung."

Wie sehr sind Sie derzeit gefordert, den Anschluss an Entwicklungen zu halten, schnell zu reagieren und auch Risiken einzugehen?

Clemens Pfeifer: „Das Prinzip als solches – mit Technik nach größerer Wertschöpfung und Kostensenkung zu streben – ist für uns nicht neu. Ebenso wenig die damit verbundene Abwägung von Chancen und Risiken. Den Qualitätsscanner im Sägewerk gibt es seit Jahren; das ist gewissermaßen KI in einer frühen Form, deren Potenzial wir schon lange erkannt haben. Was sich grundlegend verändert, sind die Geschwindigkeit und die Bandbreite der Möglichkeiten. Wir nutzen bereits vieles davon und treiben die Integration gezielt voran."

Der Qualitätsscanner prüft jedes Brett millimetergenau. Er steht sinnbildlich für einen Weg, den Pfeifer schon lange geht: Technik einsetzen, um Wertschöpfung zu steigern und Qualität zu sichern.

Können Sie das konkret veranschaulichen?

Clemens Pfeifer: „In einer laufenden Pilotanwendung filmen wir unsere Produktionslinien an mehreren Standorten. Die kontinuierliche Auswertung dieser Bilddaten erlaubt es, Anomalien frühzeitig zu erkennen und damit drohenden Störungen zuvorzukommen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Stillstandzeiten durch diese Überwachung deutlich reduzieren lassen. Störungen bedeuten Produktionsausfall, höhere Kosten und entgangene Erlöse. Diesen Faktor zu minimieren, verschafft uns einen weiteren Wettbewerbsvorteil."

Wie stellen Sie sicher, dass Pfeifer solchen Entwicklungen stets nahe bleibt?

Clemens Pfeifer: „Wie bereits angedeutet, suchen wir permanent nach innovativen Ansätzen zur Produktivitätssteigerung. Unsere Innovationsabteilung hat dafür einen klaren Auftrag. Die Grundprämisse ist dabei immer dieselbe: Eine neue Idee muss uns wirtschaftliche Vorteile bringen und Kosten senken. Bei Pfeifer geht es nicht um Innovation als Option, sondern darum, ganz konkret besser zu werden."

Vorausschauend statt reaktiv: An mehreren Standorten werten Kameras die Produktionslinien kontinuierlich aus. So erkennt Pfeifer Anomalien frühzeitig und beugt drohenden Störungen vor, bevor sie zu kostspieligen Stillständen führen.

Trotz aller Technologie bleibt der Mensch der entscheidende Faktor. Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Entwicklungen, die stets auch Veränderungen mit sich bringen?

Clemens Pfeifer: „Pfeifer steht für eine Kultur der Zukunftsorientierung – wir schauen nach vorne. Besonders unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Produktion bringen dieses Mindset mit. Sie sind Innovation gegenüber absolut offen, denn sie sind auch die Ersten, die davon profitieren, wenn Abläufe reibungsloser und einfacher werden. Die wirksamste Motivation ist die spürbare Verbesserung des Arbeitsalltags und der unmittelbar erfahrbare Erfolg."

Wie stellen Sie diese Unmittelbarkeit und die damit verbundene Transparenz sicher?

Clemens Pfeifer: „Wir haben unsere Betriebsdatenerfassung (BDE) vollständig digitalisiert und können die erhobenen Werte in allen erdenklichen Kategorien und Zeiteinheiten auswerten. Unsere Produktionskennzahlen sind damit jederzeit transparent einsehbar. Die BDE ist ein zentrales Steuerungsinstrument und Grundlage für Maßnahmenableitungen. Entscheidend ist, dass die Produktionsleiter diese Informationen unmittelbar zur Verfügung haben – sie tragen die Verantwortung für die Produktivität vor Ort und müssen sofort handeln können, wenn Bedarf besteht. Dieses Monitoring entwickeln wir schon lange weiter. Derzeit vollziehen wir eine Transformation hin zu Dashboards, die alle relevanten Leistungskennzahlen visuell aufbereiten und schneller erfassbar machen. Wir nutzen dabei die SAP-Oberfläche, die Entwicklung selbst erfolgt jedoch vollständig inhouse."

Präzise, kraftvoll, unermüdlich: Der Roboterarm stapelt Schnittholz vollautomatisch. Für Pfeifer zählt bei jeder Automatisierung dieselbe Frage – was kostet sie, und welchen konkreten Mehrwert bringt sie?

Stichwort SAP: Die Einführung einer unternehmensweiten Prozess- und Datenplattform gilt als eine der anspruchsvollsten Aufgaben der digitalen Transformation – oft jahrelang, tief in bestehende Prozesse eingreifend und mit erheblichen Risiken verbunden. Wie bewerten Sie diesen Schritt als CTO?

Clemens Pfeifer: „Die Einführung von SAP oder vergleichbarer integrierter Unternehmenssoftware bleibt immer herausfordernd – der Schritt war zugegeben mutig. Aber er hat unzweifelhaft große Fortschritte bewirkt. SAP diszipliniert eine Organisation und hilft, die Performance zu steigern; das ist zwangsläufig unbequem. Heute sind wir froh, diesen Weg rechtzeitig eingeschlagen zu haben. Auch unsere Organisation nutzt das System zunehmend und erschließt schrittweise sein vielschichtiges Potenzial. Am 1. Juni 2026 haben nun auch unsere finnischen Standorte ihren SAP-Live Gang vollzogen. Ohne einen solchen unternehmensweiten Standard lässt sich eine internationale Konzernstruktur wie unsere schlicht nicht erfolgreich führen."

Was bedeuten die geopolitischen und wirtschaftlichen Verwerfungen einer Multikrise für den anspruchsvollen Prozess kontinuierlicher technischer Innovation? Bremst Sie die aktuelle Weltlage?

Clemens Pfeifer: „Lassen Sie es mich so formulieren: Irgendeiner Krise begegnet ein Unternehmen in seinem Lebenszyklus immer. Entscheidend ist eine Haltung, die darauf vertraut, auch aktiv gegen die Krise vorgehen zu können. Pfeifer reinvestiert seit Jahrzehnten das verdiente Geld ins Unternehmen. Dieses Prinzip hat es uns ermöglicht, in wirtschaftlich starken Phasen ein beträchtliches Volumen an Innovationen und Investitionen zu realisieren – rechtzeitig, bevor schwierigere Zeiten kamen. Es hat uns durch viele Krisen getragen, und es wird uns auch durch diese tragen."

Für Clemens Pfeifer, CTO der Pfeifer Group ist konsequente Reinvestition das Prinzip, das Pfeifer durch jede Krise trägt.

Diese Zuversicht ist in der gegenwärtigen Stimmungslage nicht unbedingt verbreitet.

Clemens Pfeifer: „Natürlich spüren wir die Folgen aktueller Konflikte, etwa des Iran-Krieges, massiv. Aber unser Unternehmen steht auf einem starken Wertefundament. Wir sind agil und anpassungsfähig. Pfeifer ist resilient, und wir vertrauen darauf, diese Krise mit unserer Unternehmenskultur zu bewältigen. Und letztlich können wir als Holzindustrie – gerade vor dem Hintergrund einer Sperrung der Straße von Hormus – darauf verweisen, dass unsere Kiefern und Fichten weiter vor unserer Haustüre wachsen und an unseren Produktionsstandorten verfügbar bleiben. Diese Versorgungssicherheit beim Rohstoff, die insbesondere unsere nordischen Standorte repräsentieren, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Auch darauf können wir vertrauen."