Interview

„Effizienz ist unser Wachstumsmotor“

Die Holzindustrie erlebt herausfordernde Zeiten – für Michael Pfeifer ist das Streben nach Schlagkräftigkeit die Antwort darauf. Der CEO der Pfeifer Group im Interview über notwendige Anpassungen an die aktuelle Marktsituation, Chancen von KI und Automatisierung sowie den strategischen Schritt Richtung Finnland. Seine Botschaft: Nur wer Strukturen schärft und Vernetzung lebt, bleibt auch künftig wettbewerbsfähig.

Herr Pfeifer, wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation der Holzbranche?

Michael Pfeifer: Die Lage bleibt angespannt, auch wenn sich der Markt nach den starken Preisschwankungen der letzten Jahre in einer gewissen Seitwärtsbewegung stabilisiert hat. Der letzte Sommer war dank hoher Niederschlagsmengen gut für den Wald – der Borkenkäfer ist kaum geflogen, dadurch ist weniger Schadholz angefallen. Das führte im Herbst zu einer geringeren Rundholzmenge in Mitteleuropa und in der Folge zu steigenden Rundholzpreisen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage aus dem Bauwesen verhalten.

„Das Jahr 2026 wird noch herausfordernder. Derzeit gehen wir nicht von einer strukturellen Krise, sondern von einer vorübergehenden Anpassungsphase aus.“

Entscheidend ist, dass wir als Reaktion auf diese Situation bei Pfeifer unsere Produktivität auf allen Ebenen weiter steigern – vom Einschnitt bis zur Verwaltung. Gleichzeitig intensivieren wir unsere Vertriebsaktivitäten, etwa mit einer eigenen Niederlassung in Großbritannien.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz prägen die aktuelle Diskussion. Welche Rolle spielen diese Entwicklungen für Pfeifer?

Michael Pfeifer: Die Möglichkeiten der KI sind enorm und werden unseren Arbeitsalltag tiefgreifend verändern. Besonders in den Verwaltungs- und Organisationsbereichen erleben wir gerade, dass künstliche Intelligenz Prozesse beschleunigt und Entscheidungen unterstützt. Gleichzeitig darf man nicht vergessen: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um effizienter zu werden. Wir haben in den vergangenen Jahren viel investiert, um unsere Werke technisch auf das nächste Level zu bringen – nun geht es darum, das Feintuning zu perfektionieren. Ein gutes Beispiel ist die vollautomatisierte Flickstation im Naturholzplattenwerk Imst, die wir 2024 in Betrieb genommen haben. Unser neues Naturholzplattenwerk ist auf dem neuesten Stand der Technik. Es läuft mit 20 % mehr Leistung und 30 % weniger Personal. Das zeigt: Wir kompensieren demografische Veränderungen durch Automatisierung und steigern gleichzeitig Qualität und Wettbewerbsfähigkeit.

Wie lässt sich diese technologische Entwicklung mit der strategischen Perspektive der Pfeifer Group verbinden?

Michael Pfeifer: Der Schlüssel liegt in der Kombination von Technologie, Know-how und konsequenter Umsetzung. Wir haben die vergangenen guten Jahre genutzt, um unsere Werke zukunftsfit zu machen. Jetzt geht es darum, Abläufe und Schnittstellen weiter zu harmonisieren – sowohl digital als auch organisatorisch. Unsere Standorte müssen noch stärker ineinandergreifen. Es gibt enorme interne Potenziale, die wir besser nutzen wollen – von der Prozessoptimierung bis hin zur unternehmensweiten Datenintegration. Gleichzeitig gilt: Weniger ist oft mehr. Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren, Entscheidungen schneller treffen und vermeiden, uns in Abstimmungsschleifen und Sitzungen zu verlieren. KI kann dabei helfen – aber die Priorität bleibt, dass die Menschen im Unternehmen hochwirksam und mit klarem Fokus handeln. Effizienz ist unser entscheidender Wachstumsmotor.

Auch das Thema Logistik ist derzeit in Bewegung. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Michael Pfeifer: Nach den angespannten letzten Jahren hat sich der Logistikmarkt in Folge der schwachen Konjunktur spürbar beruhigt. Viele Speditionen haben ihre Fahrzeugflotten verkleinert. Sollte die Nachfrage wieder anziehen, werden Transportkapazitäten erneut zum Engpassfaktor werden. Wir beobachten, dass einige Unternehmen bereits unkonventionelle Wege gehen – etwa durch Simulator-Trainings in Indien, um dort Fahrerpotenziale zu heben.
Für uns bei Pfeifer bleibt der Ausbau der Schienenlogistik eine Alternative. Wir transportieren bereits rund eine Million Tonnen jährlich auf der Bahn und wollen diesen Anteil weiter steigern.

Trotz dieser Herausforderungen: Wie sehen Sie die mittelfristigen Perspektiven für die Holzindustrie?

Michael Pfeifer: Holz bleibt ein Rohstoff mit Zukunft. Der Holzbau gewinnt in und außerhalb Europas immer mehr Anteil. Gerade Österreich nimmt im Holzbau weltweit eine führende Rolle ein, man orientiert sich an den Entwicklungen bei uns. Rund 25 % aller Neubauten in Österreich und Deutschland werden bereits in Holz errichtet – Tendenz steigend. In Italien und Frankreich liegt der Anteil an Holzbau bei 7 %, das zeigt das enorme Potenzial für ein weiteres Holzbau-Wachstum in diesen Ländern. In Italien gibt es bereits die Vorgabe, dass öffentliche Bauten wie Kindergärten und Schulen aus Holz gebaut werden müssen. Holz ist klimafreundlich, vielseitig einsetzbar und erfüllt den Wunsch nach nachhaltigem Bauen. Langfristig wird die Nachfrage nach unseren Produkten weiter wachsen. Gesellschaftspolitisch ist der Rückenwind klar spürbar: Bauen mit Holz gehört die Zukunft. Die Perspektive ist also positiv. Damit wir sie nutzen können, sind wir gefordert, die Strukturen im Unternehmen laufend zu schärfen und die Effizienz zu erhöhen. Die Zeit des reinen Wachstums ist vorbei. Jetzt geht es darum, das Bestehende zu verfeinern, zu verbessern und auszubauen.

Digitalisierung verändert nicht nur Prozesse, sondern auch Kundenbeziehungen. Wie bleibt Pfeifer in einer zunehmend digitalen Welt nah an seinen Partnern?

Michael Pfeifer: Die persönliche Beziehung bleibt für mich das zentrale Element jeder erfolgreichen Geschäftsverbindung. Wir investieren stark in digitale Tools wie unser Service-Portal, aber der Außendienst bleibt unersetzlich. Allerdings gilt es seine Rolle neu zu definieren. Unsere Mitarbeiter müssen ihre Kunden über Branchentrends informieren, frühzeitig auf mögliche Rohstoffverknappungen hinweisen und relevante Informationen filtern. KI kann künftig einfache, wiederkehrende Anfragen rund um die Uhr beantworten. Doch echte Beratung, vertrauensbildende Unterstützung und Verständnis für das Geschäft des Kunden sind und bleiben menschliche Kompetenzen. Es geht darum, klassische Stärken mit neuen Technologien zu verbinden.

Die Entscheidung, in Finnland zu investieren, war ein strategischer Meilenstein. Wie bewerten Sie diesen Schritt?

Michael Pfeifer: Der Schritt nach Finnland war entscheidend, um unsere Rohstoffbasis langfristig abzusichern. Mit der Integration von Pölkky verfügen wir über Zugang zu hochwertigem nordischem Nadelholz – einer der besten Rohstoffqualitäten weltweit. In Zeiten zunehmender Klimarisiken ist Versorgungssicherheit ein zentraler Wettbewerbsfaktor.
Unser finnischer Standort Kajaani, wo wir im letzten Jahr ein neues Sägewerk in Betrieb genommen haben, ist, so wie auch die anderen Standorte, technologisch führend. Die Zusammenarbeit mit den Teams vor Ort bereichert unsere gesamte Unternehmensgruppe. Diese Investition stärkt Pfeifer strategisch und sichert die Basis für künftiges Wachstum.

Abschließend: Was wünschen Sie sich von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die kommenden Jahre?

Michael Pfeifer: Wir alle sind gefordert, unseren Beitrag zu leisten – egal auf welcher Ebene. Die Aufgaben werden komplexer, fordernder, damit aber auch spannender. Ich wünsche mir, dass wir als Team den Fokus behalten, Entscheidungen pragmatisch treffen und mit Begeisterung an Verbesserungen arbeiten. Wenn es uns gelingt, Technologie und Unternehmenskultur im Gleichgewicht zu halten, wird Pfeifer auch in Zukunft erfolgreich bleiben. Unser Ziel bleibt unverändert: die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Pfeifer Group weiter zu stärken – für unsere Kunden, für unsere Mitarbeiter und für die Zukunft unseres Unternehmens.