Interview

Verantwortung im Wald, Perspektiven am Markt

Jani Jaakkola verantwortet mit einem Team von 23 Spezialisten den Rundholzeinkauf der Pfeifer Group in Finnland. Als Forstdirektor arbeitet er an der Schnittstelle zwischen Waldbesitzern, nachhaltiger Bewirtschaftung, relevanten Stakeholdern und industrieller Verarbeitung. Im Gespräch erläutert er, wie sich die Integration in die Pfeifer Group auf die Forstpraxis und insbesondere die Holzbeschaffung auswirkt – und welche Perspektiven daraus entstehen.

Herr Jaakkola, Sie verantworten den Rundholzeinkauf der Pfeifer Group in Finnland. Was umfasst Ihre Aufgabe konkret?

Unsere Arbeit beginnt am Ursprung unserer gesamten Wertschöpfungskette. Wir stehen in engem Austausch mit privaten Waldbesitzern, planen gemeinsam die Nutzung und organisieren die gesamte Kette von der Ernte bis zur Anlieferung ins Werk. In Finnland ist diese Rolle sehr umfassend. Wir treffen viele Entscheidungen direkt vor Ort. Das verlangt Erfahrung und ein gutes Verständnis für den Forst, für die Holzbeschaffung, für Waldbesitzer und industrielle Anforderungen. Gleichzeitig denken wir langfristig. Ein Waldstück wächst über Generationen – entsprechend verantwortungsvoll gehen wir damit um. 
Etwa die Hälfte unseres Rohstoffs beziehen wir direkt von privaten Waldbesitzern. Die andere Hälfte stammt aus staatlichen und gemeinschaftlich organisierten Wäldern sowie aus Kooperationen mit der Faserindustrie. Mit dieser arbeiten wir im Tauschmodell: Wir liefern Faserholz und Sägenebenprodukte, im Gegenzug erhalten wir Sägerundholz. 

Bäume in einem lichtdurchfluteten Nadelwald

Ihr Beschaffungsgebiet ist außerordentlich groß. Was bedeutet das für Ihren Arbeitsalltag?

In unserer Region gibt es rund 62.000 Waldbesitzer mit jeweils mehr als 10 Hektar Wald. 60 % der Wälder sind in privater Hand, von dort stammen rund 85 % des geernteten Holzes. Diese Eigentümer sind zentrale Partner. Die Größe des Gebiets verlangt viele persönliche Kontakte und regelmäßige Besichtigungen vor Ort. Das bedeutet viel Reisetätigkeit, bringt aber auch Vielfalt in unsere Arbeit. 
Unser Beschaffungsgebiet erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über rund 550 Kilometer. Entsprechend sind unsere Holzeinkäufer regional verteilt. Wir betreiben mehrere Standorte, da insbesondere ältere Waldbesitzern weiterhin großen Wert auf persönliche Beratung legen. 

Wie gehen Sie konkret im Rundholzeinkauf vor?

Die Beschaffung folgt einem klaren Ablauf. Häufig kommen Waldbesitzer direkt auf uns zu. Umgekehrt prüfen wir auch aktiv Bestände oder nutzen digitale Plattformen. Es folgt die Besichtigung vor Ort, bei der wir Mengen, Holzarten und Kosten einschätzen. Auf dieser Basis erstellen wir ein Angebot, das im persönlichen Gespräch abgestimmt wird und an den jeweiligen Bewirtschaftungszielen des Waldbesitzers ausgerichtet ist. 

Was sind die wesentlichen Eckpunkte dieser Gespräche?

Wir klären Preise, Sortimente und Rahmenbedingungen wie Holzsortimente, Einschlagsmethoden und Aspekte der Biodiversität und nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Nach Vertragsabschluss organisieren wir Ernte und Transport. Der Waldbesitzer erhält die vereinbarte Zahlung.

Die Grundlage für diese Form der Zusammenarbeit ist eine verlässliche Zusammenarbeit. Viele Beziehungen bestehen über Jahre hinweg. Das Vertrauen bildet den entscheidenden Erfolgsfaktor.

Finnische Wälder aus der Luftperspektive

Wie haben sich Beschaffung und Verarbeitung am Standort Kajaani entwickelt?

Die Modernisierung hat die Effizienz deutlich erhöht. Wir können Rundholz präziser verarbeiten und auch kleinere Stammdurchmesser direkt vor Ort verwerten. Dadurch steigern wir den Anteil an sägefähigem Holz aus dem Einschlagsgebiet und verbessern die Ausbeute bereits im Wald. Gleichzeitig haben wir unsere eigene Beschaffung ausgebaut und steuern Mengen und Qualitäten gezielter. Dadurch gewinnen wir an Stabilität, insbesondere in der Rohstoffversorgung, was in einem zusehends anspruchsvollen Markt noch bedeutender wird.

Welche Veränderungen hat die Integration in die Pfeifer Group für Ihre Arbeit gebracht?

Abläufe sind heute strukturierter, Entscheidungen basieren stärker auf Daten und dem Austausch mit den internationalen Standorten der Pfeifer Group. Das zusätzliche Know-how hilft uns, unsere Arbeit weiterzuentwickeln.

Baumstämme in einem lichtdurchflutenden Nadelwald

Wie erleben Waldbesitzer und Partner diese Entwicklung?

Für sie ist es entscheidend, dass die Zusammenarbeit verlässlich bleibt. Und das ist zweifellos der Fall. Wir stehen als Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung, die Wege sind kurz, die Entscheidungen nachvollziehbar. Gleichzeitig bietet die Pfeifer Group neben einem stabilen wirtschaftlichen Fundament als Familien-Unternehmen eine wichtige Qualität: Pfeifer legt seit Jahrzehnten Wert auf nachhaltige Beziehungen. Das schafft Vertrauen, was gerade in der finnischen Forstwirtschaft ein entscheidender Faktor ist. Nicht zuletzt schätzen es Waldbesitzer, dass wir Teil einer wirtschaftlich starken Unternehmensstruktur sind. Das gibt Sicherheit.

Welche Rolle spielt die internationale Ausrichtung der Pfeifer Group für Ihre Arbeit?

Sie erweitert unsere Möglichkeiten, wir sind heute in deutlich mehr Absatzmärkten aktiv. Dadurch können wir unterschiedliche Qualitäten gezielter verwerten. Die Verbindung aus nordischer Rohstoffbasis und dem internationalen Vertrieb der Pfeifer Timber GmbH schafft zusätzliche Wertschöpfung und macht das System robuster.

Finnischer Wald von oben

Welche Rolle spielt diese Entwicklung für die Region Nordfinnland?

Die Forstwirtschaft ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Investitionen, wie jene die zuletzt in unseren Standorten getätigt wurden, sichern Arbeitsplätze und schaffen zusätzliche Beschäftigung – im Werk und entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die starke Rohstoffbasis der Region bildet dafür die Grundlage.

In der öffentlichen Diskussion wird die Rolle internationaler Eigentümer mitunter kritisch gesehen. Wie nehmen Sie das wahr?

Wir sind viel im Wald unterwegs und stehen dabei im persönlichen Austausch mit Waldbesitzern und verschiedenen Partnern, mit denen wir die Abläufe vor Ort organisieren. Für sie alle zählt vor allem, dass die Zusammenarbeit funktioniert und Perspektiven stabil sind. Daran werden wir gemessen. Die Entwicklung der vergangenen drei Jahre zeigt unseren Partnern, dass wir zukunftsträchtige Strukturen aufgebaut haben. Dafür erhalten wir viel positives Feedback.

Was erwarten Sie für die kommenden Jahre?

Wir befinden uns in einem Transformationsprozess, der neue Chancen eröffnet. Entscheidend ist, die Zusammenarbeit mit Waldbesitzern weiter zu stärken und unsere Organisation kontinuierlich zu verbessern. Die Verbindung aus regionaler Kompetenz und dem starken Netzwerk der internationalen Pfeifer Group bietet dafür eine zukunftsträchtige Grundlage. Das ist eine Konstellation, von der alle profitieren.